Aktuelle Grabungen

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Leitungsgraben durchquert die frühmittelalterliche Siedlung mit Gräberfeld in Schleitheim

Eines der im Leitungsgraben freigelegten Gräber (öffnet vergrössertes Bild in neuem Fenster)
Eines der im Leitungsgraben freigelegten Gräber

Neue Hausanschlüsse an die bestehende Holzschnitzelheizung, bei deren Bau im Jahr 2013 eine grössere Fläche der bekannten frühmittelalterlichen Siedlung von Schleitheim ausgegraben wurde, führten durch bisher ungestörte Bereiche. Obschon die Leitungsgräben lediglich 40 cm breit waren, erbrachten sie neue Informationen.

In einer nicht überbauten Parzelle zwischen dem Kindergarten (Grabung 1992) und der Holzschnitzelheizung (Grabung 2013) durchschnitt der Graben ein Grubenhaus, auf dessen Sohle mehrere verkohlte Balken lagen. In der Verfüllung fanden sich wenige Fragmente frühmittelalterlicher Keramik, etwas Knochen und ein Eisenwerkzeug, aber auch römische Bau- und Geschirrkeramik, was mit der Nähe zum römischen Gutshof Schleitheim, Brüel erklärt werden kann. Beim gut erhaltenen Grubenhausbefund mit vermutlich abgebrannter Holzkonstruktion im Innern handelt es sich um den ersten Nachweis dieses Gebäudetyps in der Siedlung Brüel. Im weiteren Verlauf des Grabens wurden zusätzlich insgesamt neun Pfostengruben von Holzhäusern dokumentiert. Die zugehörige Fundschicht liess sich hangaufwärts verfolgen und erweitert das bisher bekannte Siedlungsareal.

Der weitere Verlauf der Leitungen führte ins Quartier Hebsack, wo vor bald 150 Jahren ein grosses, frühmittelalterliches Gräberfeld entdeckt worden war. Beim Bau des Einfamilienhausquartieres in den 1980er-Jahren fanden grosse Grabungen statt. Wie sich zeigte, ist aber nach wie vor mit weiteren Gräbern zu rechnen. Auf einem Abschnitt von ca. 20 Metern kamen neun Gräber zum Vorschein. Abgesehen von einem Grab waren alle bereits von den Forschern des 19. Jahrhunderts aufgedeckt und teils leergeräumt worden. Dennoch ergab die sorgfältige Freilegung neue Informationen zur Bestattungsweise in mit Steinen umrandeten Gräbern oder genagelten Holzsärgen. Das Grab eines 16-19 Jahre alten Jugendlichen war noch unangetastet. Dem Verstorbenen wurden ein grosses Messer, ein Gürtel und weitere Eisenobjekte ins Grab gelegt. Eine am Gürtel befestigte Tasche enthielt eine römische Glasscherbe.