Die sogenannte "Jagdschale"

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Glasschale (öffnet vergrössertes Bild in neuem Fenster)

Bei der «Jagdschale» handelt es sich um eine Kugelsegmentschale, aus deren purpurfarbenem Überfang zwei Jagdszenen und die griechische Inschrift PIE ZHCAIC ausgeschnitten sind. Sie besteht aus hellem, klarem Glas mit leicht grünlichem Schimmer. Durch die Aufforderung PIE ZHCAIC (Trink, mögest du leben!) stellt sich die Schale selbst als Trinkgefäss vor.
Der obere Jäger mit einer kappenartigen Kopfbedeckung aus Riemen richtet seine Lanze gegen einen aufspringenden Panther, während der untere seine kürzere Waffe auf einen Bären zustösst. Das zwischen den Beinen herabhängende Stück dürfte die Scheide für ein Jagdmesser oder ein Schwert sein.
Die kostbare Schale wurde wohl nur bei feierlichen Gelegenheiten zum Trinken gereicht. Dabei entfaltete sie beim Anheben durch die im einfallenden Licht aufleuchtende Purpurfarbe einen zauberhaften Reiz. Ihr Inhalt beschränkte sich gewöhnlich auf sechs «cyathi», also auf gut einen Viertel Liter gemischten Weins, da der Wein nur beim Spendenopfer ungemischt blieb.
Die Jagdschale könnte beim Leichenmahl gedient haben; denn zum «silicernium» für die Angehörigen gehörte auch ein Trankopfer von Wein, Milch und Honig. Nach alter Tradition hatte Kirke in der Odyssee dem Odysseus aufgetragen als Sühnopfer für alle Toten zu spenden: «Erst von Honig und Milch, von süssem Weine das zweite, und das dritte von Wasser, mit weissem Mehle bestreuet».

Objekt:
Glasschale

Datierung:
Spätrömisch (4. Jh. n.Chr.)

Fundort:
Stein am Rhein-I de Hofwise

Weitere Informationen:
Markus Höneisen (Hrsg.), Frühgeschichte der Region Stein am Rhein. Archäologische Forschungen am Ausfluss des Untersees. Schaffhauser Archäologie 1, 1993.
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