Goldblattkreuz

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Goldblattkreuz (öffnet vergrössertes Bild in neuem Fenster)

Das Goldblattkreuz ist aus einem sehr feinen Goldblech mit Pressdekor, bestehend aus einem dreizeiligen Flechtband und einem Mittelmedaillon mit Dreipass, gefertigt. An den Enden der Kreuzarme finden sich jeweils Durchlochungen, ein Hinweis, dass das Goldblattkreuz auf ein Tuch aufgenäht war, welches das Antlitz des Bestatteten bedeckte. In diesem Fall handelt es sich um ein 21/2jähriges Kind, Grab 2 der Kastellkirche auf «Burg», in der einige ungewöhnlich reich ausgestattete Kindergräber zu Tage kamen.
Goldblattkreuze sind erstmals bei den Langobarden in Italien nach dem Jahre 568 nachgewiesen und werden von dort in die Zone nördlich der Alpen übertragen. Auch der Dekor unseres Goldblattkreuzes hat seine stilistischen und chronologischen Vorbilder in Italien. Wiederum zeigen sich – im Spiegel der Funde – enge Beziehungen zu einem Land, dessen Gebräuche und Kultur weit ausstrahlen.
Die Fundumstände des Goldblattkreuzes sind nicht ohne Widersprüche. Einerseits sind Goldblattkreuze im Zusammenhang mit Kirchengräbern sehr spärlich bezeugt, sei es, dass das Goldblattkreuz als christliches Heilszeichen in Kirchen quasi überflüssig ist, sei es, weil es mit einer bestimmten, religiösen oder sozialen Gruppierung zu verbinden ist. Andererseits wurde unser Exemplar in einem stark deformierten Zustand aufgefunden und stammt aus dem einzigen zerstörten Grab der Kastellkirche. Häufig verschont ein Grabraub Beigaben mit christlicher Symbolik, was hier jedoch nicht zutrifft.

Objekt:
Goldblattkreuz

Datierung:
Frühmittelalter (7. Jh. n.Chr.)

Fundort:
Stein am Rhein-Kirche Burg, Grab 2

Weitere Informationen:
Markus Höneisen (Hrsg.), Frühgeschichte der Region Stein am Rhein. Archäologische Forschungen am Ausfluss des Untersees. Schaffhauser Archäologie 1, 1993.
Erhältlich im Online-Shop.