Gürtelschnalle eines Kriegers

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Gürtelschnalle, Silber mit Gold (öffnet vergrössertes Bild in neuem Fenster)

Eine aussergewöhnliche Gürtelschnalle fand sich in einem aussergewöhnlichen Kriegergrab. Von den knapp 200 Männergräbern in Schleitheim-Hebsack besass nur eines (Grab 766) eine vollständige Bewaffnung mit Spatha, Sax, Lanze und Schild. Es enthielt auch die Gürtelschnalle aus massivem Silber und Gold. Derart aus der Masse hervorgehoben, wurde der Bestattete als «Siedlungschef» angesprochen. Für Schleitheim und die regionale Umgebung ist diese Gürtelschnalle einzigartig; nur aus Basel kennen wir eine Parallele. Dank der dort mitgegebenen Münze, einen um 550 geprägten Triens des Justinian I., lässt sich die Lebenszeit des Siedlungschefs vor und um die Mitte des 6. Jahrhunderts datieren.
Schnalle und Beschläg sind aus einem Guss hergestellt. Diesem Verfahren begegnet man in der Alamannia recht selten. Es geht nicht auf lokale Wurzeln zurück. Das Kompositionsprinzip des Beschlägs ist dadurch charakterisiert, dass in den eingetieften Zierfeldern Goldfiligrandrähte auf Goldblechen befestigt sind und dadurch eine Polychromie erzeugt wird. Form und Motivschatz verweisen auf auswärtige Impulse, vermutlich aus dem westlichen Frankenreich. Auch andere Beigaben bestätigen diesen Einfluss, so dass mit der Beigabenausstattung des «Siedlungschefs» eine historische Dimension fassbar wird: Nach den alamannischen Niederlagen um 500 intensiviert sich der fränkische Einfluss und Zugriff auf die rechtsrheinischen Gebiete, sei es direkt durch Entsendung fränkischer Repräsentanten oder indirekt durch Stellvertreter vor Ort.

Objekt:
Gürtelschnalle, Silber mit Gold

Datierung:
Frühmittelalter (6. Jh. n.Chr.)

Fundort:
Schleitheim-Hebsack, Grab 766

Weitere Informationen:
Anke Burzler/Markus Höneisen/Jakob Leicht/Beatrice Ruckstuhl, Das frühmittelalterliche Schleitheim. Siedlung, Gräberfeld und Kirche. Schaffhauser Archäologie 5, 2002.
Erhältlich im Online-Shop.