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07.08.2017
Ruine Radegg aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt

Die Burgruine Radegg ist wieder in ihrer ganzen Grösse sichtbar. Unter der Leitung der Kantonsarchäologie fanden an der Burgruine Radegg bei Wilchingen intensive Ausholzungs- und Dokumentationsarbeiten statt.

Die Kantonsarchäologie hat vom 2. bis 4. August zusammen mit den kommunal und kantonal zuständigen Forstämtern, dem Naturschutzamt des Kantons Schaffhausen und den Kulturgüterschutz-SpezialistInnen des Zivilschutz (KGS) die Burgruine Radegg vom Bewuchs befreit. Damit sind die mittelalterlichen Mauern für SpaziergängerInnen und Geschichtsinteressierte wieder in ihrem ganzen Ausmass eindrücklich sicht- und erlebbar. Ausserdem begann die Kantonsarchäologie mit der Dokumentation des baulichen Zustandes der Ruine als Grundlage für die Planung weiterer Massnahmen zur Erhaltung und Attraktivierung der Burg Radegg.

Was bis vor dem Einsatz auf dem Rossberg von der Ruine Radegg sichtbar war, entspricht der einleitenden Beschreibung in der Osterfinger Sage «S‘ Kätterli»: «Hütt gsiet me dervo blooss ne e par aalti, verfallni Muure. De Wald ischt über si dure gwachse. Fore, Mählbeeri und Äbhäu schlönd iri Wuurzle zwüsched d’Schtää. (…) Und es wüürt emol e Ziit cho, wo me nümme gsiet, da do emeol Mäntsche ghuuset händ. Dänn hät de Waald e Ghäimniss meh zom hüete», prophezeit die Sage. Und tatsächlich: Nur noch die höchste Erhebung des Bergfrieds der einst stolzen Burg kam zwischen Eschen, Gebüsch und jungen Buchen hervor. Der Einsatz von Kantonsarchäologie, dem KGS und den Mitarbeitenden von Forst Südranden konnte verhindern, dass der Wald die Ruine gänzlich verschlingt.

Das Ziel des gemeinsamen Projektes war es, den Burggraben auszuholzen und Efeu, Sträucher und Jungbäume aus dem Gestein der Ruine zu entfernen. Dies, weil die Wurzeln der Pflanzen die Stabilität der Mauern beeinträchtigen, was einerseits zu gefährlichem Steinschlag führen kann und andererseits den Zerfall der archäologischen Stätte beschleunigt. Mit Fotos, Planzeichnungen und einem Drohnenbeflug wurde eine erste Zustandsdokumentation erstellt und damit die Basis für eine umfassende, wissenschaftliche Erfassung der Anlage geschaffen. In einem weiteren Schritt können nun allfällige Sanierungs- und Aufwertungsmassnahmen geplant werden.

Die Kantonsarchäologie war für die Projektleitung und die Dokumentation zuständig, die Forstmitarbeitenden für die Ausholzung des Burggrabens und der Ruine. Da diese ein Schutzobjekt der Kategorie B (von regionaler Bedeutung) darstellt, unterstützten die KGS-SpezialistInnen den Einsatz anlässlich eines dreitägigen Wiederholungskurses. Die Synergie aus Fachkompetenz der Kantonsarchäologie und personellen Ressourcen des Zivilschutzes haben zu einem erfolgreichen Abschluss des Einsatzes an der historischen Burg geführt. In Absprache mit dem Naturschutzamt wurde sichergestellt, dass seltene Pflanzen wie beispielsweise Heckenrosen und Kronwicken vor dem Beginn der Forstarbeiten markiert wurden und nun im offenen Gelände gut gedeihen können.

Über die Ruine Radegg ist bisher nur so viel bekannt: Die Burg wurde um 1200 auf einem Felssporn auf dem Rossberg errichtet. Sie bestand aus einem Bergfried, einer Zisterne und einem Wohnturm. Die gewaltigen Steine für die bis zu vier Meter starken Mauern wurden direkt aus dem umgebenden Kalkboden gebrochen, wodurch gleichzeitig ein tiefer Burggraben entstand. In der Burg auf dem Rossberg lebten die Herren von Radegg, die Ländereien im Klettgau besassen. Von ihrem strategischen Sitz auf dem exponierten Felssporn aus kontrollierten sie den wichtigen Verkehrsweg durch das Wangental. Bei einer archäologischen Grabung im Jahr 1937 wurden zahlreiche Pfeilspitzen und Spuren eines Brandes gefunden. Sie weisen auf ein gewaltsames Ende der Burg im 14. Jahrhundert hin; auch die erwähnte Sage endet mit der Zerstörung der Radegg. Obwohl die Mauern der Radegg wieder im Sonnenlicht erstrahlen, liegt vieles aus der Geschichte der Burgherren noch im Dunkeln. Rund um die imposante Burg auf dem Rossberg sind noch viele Geheimnisse zu entdecken.