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29.08.2018
Massnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstosses im Pendlerverkehr erfolgreich getestet

Durch das Pilotprojekt «Klimafreundlich Pendeln» sparten Mitarbeitende von ABB Schweiz mit Wohnort in Deutschland innerhalb eines Jahres 45 Tonnen CO2-Äquivalente ein. Zudem konnte die Anzahl Fahrgemeinschaften am ABB-Standort in Turgi gesteigert werden.

Rund 36‘000 Personen pendeln von ihrem Wohnort in den Landkreisen Lörrach und Waldshut zu ihrem Arbeitsort in die Schweiz, darunter auch Mitarbeitende von ABB Schweiz. Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 benutzten über 80% dieser ABB-Mitarbeitenden auf ihrem Arbeitsweg ein Auto mit Verbrennungsmotor und 72% fuhren alleine. «Von den Grenzgängern profitiert die Region auf beiden Seiten des Rheins. Dennoch sollte der grenzüberschreitende Berufsverkehr, auch im Hinblick auf die jeweiligen nationalen Klimaschutzziele, die Umwelt nicht unnötig belasten», findet Heike Stoll, Interreg-Koordinatorin der Hochrheinkommission.

Mit diesem Gedanken haben Vertreter von ABB Schweiz, der Fachhochschule Nordwestschweiz sowie den Hochschulen Offenburg und Reutlingen auf Initiative der Hochrheinkommission – die sich unter anderem aus den Kantonen Aargau und Schaffhausen, den Landkreisen Lörrach und Waldshut und dem Regierungspräsidium Freiburg zusammensetzt – vor rund drei Jahren das Pilotprojekt «Klimafreundlich Pendeln» ins Leben gerufen.

Mitarbeitende testeten ein Jahr lang die Praxistauglichkeit der E-Mobilität

Im Pilotprojekt hatten ABB-Mitarbeitende aus Deutschland die Möglichkeit, für ihren Arbeitsweg während eines Jahres ein Elektroauto zu nutzen. Dazu wurde ihnen ein durch die Firma vergünstigtes Leasing für ein Elektroauto angeboten. «Die Projektteilnehmenden konnten sich so von der Praxistauglichkeit der E-Mobilität in allen vier Jahreszeiten überzeugen», erklärt Lukas Matt, Projektleiter vonseiten ABB. Die Pendler konnten ihre Fahrzeuge bei ABB kostenlos aufladen.

Gleichzeitig wurde im Projekt die Bildung von Fahrgemeinschaften unterstützt – mit einem erfreulichen Resultat: Am ABB-Standort Turgi fahren heute 25% der Autopendler aus Deutschland in einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit. Ein beachtliches Resultat, das auch «Klimafreundlich Pendeln» zu verdanken ist, denn im Schweizer Berufsverkehr sitzen durchschnittlich nur in jedem zehnten Auto zwei Personen. «Es hat sich allerdings gezeigt, dass man aktiv und auf verschiedenen Kanälen auf die Mitarbeitenden zugehen muss, um sie miteinander zu vernetzen und sie von den Vorzügen einer Fahrgemeinschaft zu überzeugen. Diese vielfältigen Ansprechformen waren entscheidend für unseren Erfolg in Turgi», sagt Matt.

Durch das Pilotprojekt konnte innerhalb eines Jahres der Treibhausgasausstoss der Pendlerinnen und Pendler um 45 Tonnen CO2-Äquivalente reduziert werden. «Das entspricht etwa dem Ausstoss eines Mittelklassewagens nach sieben Erdumrundungen», sagt Thomas Heim, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, der im Projekt die Ökobilanzierung verantwortet.

Flexibilität ausschlaggebend

Eine Umfrage bei den Pendlerinnen und Pendlern zeigte, auf welche Faktoren diese bei der Auswahl ihres Transportmittels achten: Das wichtigste Kriterium ist Flexibilität, gefolgt von Zeit. «Obwohl die Kosten in der direkten Befragung erst an dritter Stelle genannt werden, hat die Höhe der Fahrtkosten einen wichtigen Einfluss auf die konkrete Entscheidung für das Transportmittel» stellt Clemens van Dinther, Professor an der ESB Business School Reutlingen, fest. Der Umweltschutz dagegen wird von einer Mehrheit der Befragten als weniger wichtig für die Transportmittelwahl eingeschätzt.

«Viele Pendler haben Angst, dass sie ihre Flexibilität verlieren, wenn sie das Lenkrad aus der Hand geben und sich auf den Mitfahrersitz setzen oder ein E-Auto kaufen, mit dem sie auch mal an eine langsame Ladesäule fahren müssten. Ausserdem ist das eigene Auto wohl auch ein Stück Privatsphäre, das manch einer mit niemandem teilen möchte», sagt Jonas Messmer, Gesamtprojektleiter der Hochschule Offenburg. «Trotzdem glauben wir, dass das Nachhaltigkeitsbewusstsein auf beiden Seiten des Rheins stetig wächst und Verhaltensänderungen sehr wohl möglich sind. Sie brauchen einfach ihre Zeit», schliesst Messmer.

Handlungsbedarf aufgrund von zunehmenden Pendlerströmen

«Die Notwendigkeit den berufsbedingten Grenzverkehr zu optimieren ist hochaktuell», sagt Thomas Boes, Initiator des Projekts vom Regierungspräsidium Freiburg. «Die Pendlerströme nehmen seit langer Zeit zu und zudem sind in den nächsten Jahren wegen der Baumassnahmen an der Osttangente Basel Verkehrsverlagerungen zu erwarten, die z.B. den Grenzübergang in Rheinfelden und die A 861/A 98 zusätzlich belasten werden. Deshalb sollten die aus dem Projekt resultierenden Erkenntnisse und Empfehlungen genau unter die Lupe genommen werden», so Boes.

Weitere Informationen:
https://www.klimafreundlichpendeln.org/home.html