Pfeil und Bogen als Jagdwaffe

Diese Seite drucken (in neuem Fenster)
Pfeil und Bogen (öffnet vergrössertes Bild in neuem Fenster)

Eindrucksvoller Fund aus den «Weier»-Grabungen war ein Bogen von 175 cm Länge. Er fand sich ausserhalb der Zäune der drei Moorsiedlungen, zweifellos alt gebrochen und weggeworfen. Der Bogen ist aus Eibe gefertigt. Es ist harzfrei, ausnehmend feinjährig, mit gelbem Splint und dunkelbraunrotem Kernholz. Dem Botaniker ist aufgefallen, dass bei unserem Stück die Jahrringgrenzen nur schwach gekrümmt sind, es sich also nicht um Astholz, sondern um ein Stück aus einem stärkeren Stamm handelt. Das Holz der Eibe gilt als zäh, hart, elastisch, dauerhaft, schwer und politurfähig. Im Mittelalter war die Eibe ein bevorzugter Werkstoff von Schnitzern, Drechslern und Tischlern und lief, schwarz gebeizt, unter der Bezeichnung «Deutsches Ebenholz». Vermutlich war die eindrückliche, seltsam anmutende Baumgestalt im jungsteinzeitlichen Urwald eher verbreitet. Ihr massiver Rückgang in späterer Zeit ist auf die häufige Verwendung für Pfeilbogen und Armbruste zurückzuführen, zu deren Herstellung sie das beste Holz lieferte. Der «Weier»-Bogen ist im Querschnitt halbkreisförmig mit maximal 3,5 cm Breit, die mittlere Partie ist leicht konvex gekehlt. Eine zylinderförmige Nocke zum Einhängen der Sehnenschlaufe ist gut erhalten. Das andere Ende ist leider leicht beschädigt, wobei höchstens 1 cm fehlen kann. Vielleicht darf an eine gleichartige Nocke gedacht werden.
Eine Deutung als ausschliessliche Jagd- oder Kriegswaffe lässt sich nicht geben. Wir denken aber vor allem an den Einsatz bei der Jagd. Von ihrem einwandfreien Gebrauch durch den Steinzeitschützen hing ein Teil der Existenz in jener Zeit ab. Die Jagd mit Pfeil und Bogen ist schon seit über 10'000 Jahren in Darstellungen der damaligen Kunst, unter anderem durch von Pfeilen getroffenen Tiergestalten, bekannt. In der Jungsteinzeit wird diese Jagdform bedeutsam. Die Funde von Pfeilschäften sind aber ausgesprochen selten. Hier vermag unser «Weier»-Exemplar eine Lücke zu schliessen, liegt doch ein fast vollständiger Pfeil vor.
Pfeile waren Geschosse mit einer guten Treffsicherheit in 30–50 Meter Distanz. Für die zielsichere Flugbahn und damit die Treffsicherheit muss der Pfeil eine gewisse Steifheit aufgewiesen haben. Zu seiner wichtigsten Eigenschaft zählte aber auch Schwingfähigkeit und Elastizität.
Seine Länge darf als funktionsgerecht angesehen werden. Wir fanden den Pfeil in Teilstücken, die zusammengesetzt 68 cm ergaben, was nahe an die übliche Zuglänge eines steinzeitlichen Bogens unserer Art, welche sich auf 70 cm errechnen lässt, herankommt.
Den im «Weier» gefundenen Pfeil liessen wir auf seine Holzart hin untersuchen. Zu seiner Herstellung wurde «Wolliger Schneeball» (viburnum lantana) verwendet. Die Stockausschläge dieses Strauches wachsen lange und gerade und eignen sich als Pfeilschäfte, was ebenfalls Indianer vom Stamm der Huronen in Kanada herausgefunden haben.
Der Pfeilkopf war mit einer Spitze aus honiggelbem Silex versehen, die in einem Spalt des Schaftes steckte und mit Lindenbast umwickelt war. Die Spitze wurde mit Birkenteer verklebt, und dieser wurde so verstrichen, dass kein Absatz zwischen Stein und Holz entstand, was das Eindringen des Pfeiles in das Tier erleichterte.
Von grösstem Interesse sind die Reste der Befiederung des Pfeilschaftes. Insgesamt wiesen 19 cm des Pfeilendes Reste von Birkenteer auf, mit dem vermutlich Adlerfedern befestigt wurden. Da die schnurartigen Eindrücke im Teer einander gegenüberliegen, könnte man an Doppelbefiederung denken. Für die Verwendung grösserer Flügelfedern spricht auch die Länge des Birkenteerauftrages. Während derselben Grabungsperiode wiesen die Paläontologen den Adler im «Weier» nach.

Objekt:
Pfeil und Bogen

Datierung:
Neolithikum, Pfyner-Kultur (ca. 3800–3500 v.Chr.)

Fundort:
Thayngen-Weier