Römische Badewanne

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Bleiwanne (öffnet vergrössertes Bild in neuem Fenster)

Unter den Funden der Thermen von Iuliomagus – dem römischen Schleitheim – sind die Überreste einer grossen Bleiwanne mit reichverzierter Wandzone besonders erwähnenswert. Das zylindrische, ursprünglich etwa 115 cm hohe Becken mit einem Durchmesser von 120 cm und einem Inhalt von ungefähr 1000 Litern stand einst in einer apsisartigen Nische des Warmbades auf einem massiven Sandsteinfundament.
Wozu diente der bleierne Behälter? Nach dem schweisstreibenden Heissbad durchquerte der Badegast den Raum und stieg über mehrere Stufen in das Becken, eine Stehwanne für 1–2 Personen. Hier nahm er, bis zu den Hüften im Wasser stehend, kalte und lauwarme Waschungen vor. Vielleicht wurde er dabei aus einem Wasserspeier besprengt.
In einer späteren Phase wandelte man das Badebecken in einen Kaltwasserkasten mit Überlaufrohr um. Man mag sich fragen, warum ein Becken aus Blei als Badewanne und später als Reservoir verwendet worden ist. Ganz allgemein war in römischer Zeit das leicht zu verarbeitende Blei – trotz seiner Giftigkeit – der bevorzugte Werkstoff für die Herstellung von Wasserleitungsrohren in Badeanlagen. Schon dem Architekten Vitruv war die Schädlichkeit des Bleis bekannt; er berichtet jedoch nicht von einer Vergiftung des Trinkwassers. In Rohren und Badebehältern bildete sich nach kurzem Gebrauch eine Kalksinterschicht, die eine direkte Berührung des Wassers mit dem Blei und somit eine Vergiftung verhinderte.
Auch in kleineren Orten wie Iuliomagus legte man offensichtlich Wert auf grosse, luxuriöse Badeanlagen. Die Stehwanne mit qualitätvoll ausgeführter Dekoration, ein importiertes Einzelstück, mag uns eine Vorstellung von dem einst vorhandenen Prunk geben.

Objekt:
Bleiwanne

Datierung:
Römisch (ca. 1./2. Jh. n.Chr.)

Fundort:
Schleitheim-Iuliomagus