Thayngen-Weier, jungsteinzeitliche Moorsiedlung

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Thayngen-Weier. Hausgrundrisse in der Grabungsfläche von 1962 (öffnet vergrössertes Bild in neuem Fenster)

Die jungsteinzeitliche Moorsiedlung Weier liegt in einer flachen Talmulde hinter dem «Berg» südlich von Thayngen und wurde anlässlich der ersten Melioration 1914 entdeckt. In Teilbereichen fanden Ausgrabungen statt, 1914-1921 unter Karl Sulzberger, 1950-63 durch Walter Ulrich Guyan. Die Siedlung lag ehemals auf einer Landzunge zwischen zwei kleineren, heute verlandeten, Seen. Es gelang der Nachweis von drei Siedlungsschichten (Weier I-III), die durch schmale Torf- und Gyttjabänder voneinander getrennt sind. Die Ausdehnung der Siedlung konnte 1989 mittels Trockeneisbohrungen über etwa 4500 m2 ermittelt werden. Heute ist der Platz durch Austrocknung bedroht.
Für Weier I sind 4 Häuser (Pfostenbauten mit Prügelböden) und ein Zaun nachgewiesen. Von Weier II sind 8-9 Bauten (Pfosten- und Ständerbauten), z.T. als Ställe und Speicher angesprochen und ein Zaun belegt. Von Weier III wurden 8 Bauten erfasst, worunter abgehobene Stelzbauten, ferner Bohlenwege sowie wiederum ein Dorfzaun. Bei den Ausgrabungen in den 60er-Jahren wurde erstmals für die Schweiz die Dendrochronologie angewandt, deren Daten heute allerdings zu korrigieren sind. Die datierten Bauhölzer lassen die Siedlungsreste in die Zeit zwischen 3800 und 3600 v.Chr. einordnen und gehören zur Pfyner-Kultur. Die Keramik lässt Einflüsse der süddeutschen Michelsberger-Kultur erkennen (u.a. Backteller, Tulpenbecher). Zu den Funden zählen gut erhaltene Holzobjekte (u.a. kompletter Bogen und Pfeil mit Silexspitze), eine Kupferbeilklinge, Gürtelhaken aus Geweih, zwei gestielte Pfeilspitzen aus oberitalienischem Monti Lessini-Feuerstein sowie aus Lehm modellierte Frauenbrüste als Wandbestandteile eines (Kult?)Gebäudes.
Thayngen-Weier gehört seit 2011 zum «Weltkulturerbe Pfahlbauten».

Anreise:
Ab Schaffhausen mit der Bahn nach Thayngen. Die Fundstelle liegt südlich von Thayngen, hinter dem «Berg». Fussmarsch ab Bahnhof Thayngen über den Berg ca. 30 Min. LK 1032, 694 950/288 050, Höhe ca. 447 m.

Besichtigung:
Vor Ort sichtbar ist die Talmulde der ehemaligen kleineren Seen. Das Fundmaterial aus den Siedlungsgrabungen ist im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen ausgestellt (Neupräsentation ab 28. Oktober 2011).

Weitere Informationen:
W.U. Guyan, Die jungsteinzeitlichen Moordörfer im Weier bei Thayngen, ZAK 25/1, 1967, 1-39.
J. Winiger, Das Fundmaterial von Thayngen-Weier im Rahmen der Pfyner-Kultur, Monographien zur Ur- und Frühgeschichte der Schweiz 18, Basel 1971.
D. Gerbothé et al., Thayngen-SH Weier: Trockeneissondierungen 1989, JbSGUF 73, 1990, 167-175.
A. de Capitani/ G.F.Schaeren, Zu den dendrochronologischen Daten von Thayngen SH-Weier, JbSGUF 87, 2004, 278-281.

Tafeln im Gelände, UNESCO Weltkulturerbe