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12.04.2018
Ehrung für Beringer Holzbaufirma am Energieapéro 2018

Rund 50 Energie- und Bauinteressierte nutzten den Energieapéro am 11. April 2018 im Park Casino Schaffhausen, um sich über neue Entwicklungen im Energiebereich zu informieren. Neben den Ausführungen von Regierungsrat Martin Kessler zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 im Kanton und der Würdigung des Schaffhauser Preisträgers „Nachhaltigkeitspreis 2017“ der Internationalen Bodenseekonferenz stand im Mittelpunkt der Veranstaltung die Frage: Wie lässt sich die Effizienzlücke zwischen Planung und Realität bezüglich des Energieverbrauchs bei Neubauten minimieren?

Wie Regierungsrat Martin Kessler in seinem Begrüssungsreferat betonte, hat der Kanton Schaffhausen mit der Umsetzung der Energiestrategie 2050 – eine Verbundaufgabe von Gemeinden, Kantonen und Bund – bereits begonnen. Eine wichtige Massnahme bildet der moderate Ausbau des Förderprogramms. Der Kanton unterstützt neu den Heizungsersatz und Minergie-P-Neubauten, während die Bereiche Gebäudemodernisierung sowie Information und Beratung ausgebaut wurden. Neu wird im Kanton Schaffhausen auch wieder eine produktneutrale Vorgehensberatung in Zusammenarbeit mit den Energiefachleuten Schaffhausen angeboten. Dank der Unterstützung durch Bund und Kanton trägt der Bauherr oder die Bauherrin nur einen kleinen Teil der Kosten.

Würdigung des Schaffhauser Preisträgers IBK Nachhaltigkeitspreis 2017

Wie Regierungsrat Kessler weiter ausführte, brauche es für die Umsetzung einer Strategie immer auch Vorbilder und Vorkämpfer, die aufzeigten, was möglich sei, und die Entwicklungen längerfristig wirtschaftlich und damit mehrheitsfähig machten. Diese Vorbildfunktion nehmen auch immer wieder Unternehmen und Private wahr. Einen solchen Betrieb konnte er am Energieapéro denn auch würdigen. Die Hübscher Holzbau AG ist Preisträgerin des Nachhaltigkeitspreises 2017 «Erneuerbare Energien und Energieeffizienz» der Internationalen Bodenseekonferenz IBK. Die Beringer Firma hat mit ihrem Projekt «CO2-neutraler Produktionskreislauf» den dritten Rang erreicht.
(http://www.bodenseekonferenz.org/nachhaltigkeitspreis)

Grosse Herausforderung bei bestehenden Bauten

Im Weiteren prägte ein Thema den Energieapéro, das in der letzten Zeit für Aufmerksamkeit gesorgt hat: Warum kommt es zu Abweichungen zwischen Planung und Realität bezüglich des Energieverbrauchs bei Neubauten? Referentin Sabine Perch-Nielsen, Ernst Basler & Partner, zeigte auf der Basis verschiedener Studien auf, dass die Frage, ob es Effizienzlücken, auch Performance Gap genannt, gebe, bei Neubauten generell gesehen nicht geklärt sei. Im Einzelfall gibt es aber in allen Gebäudekategorien (Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus und Verwaltungsbauten) Beispiele, wo der gemessene Energieverbrauch deutlich über dem berechneten liegt. Klar ist hingegen: Bewohnerinnen und Bewohner heizen stärker und lüften und beschatten mehr, als die Standardwerte, die den Berechnungen des Energieverbrauchs zu Grunde liegen, vorgeben. Weitere Ursachen für die Effizienzlücke sind Fehler in der Planung, im Bau und im Betrieb.

Wie Frau Perch-Nielsen aber betonte, liege aus energiepolitischer Gesamtsicht die Herausforderung bei der Reduktion des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen bei den 90 % vor 2006 gebauten Gebäuden, die sehr viel mehr Energie benötigten als ein Neubau.

Qualität bei Bau und Betrieb sicherstellen

Um Fehler im Bau und Betrieb aufzufangen, bietet Minergie neue Produkte für die Qualitätssicherung (MQS) an. Sie wurden von Patrick Rinaldi, Mitarbeiter der kantonalen Energiefachstelle, vorgestellt. Bauen ohne Mängel ist das Ziel der Auszeichnung «MQS Bau-geprüft». Dabei stellt der Bauleiter oder Architekt auf der Basis standardisierter Prüfberichte den korrekten Einbau der Bauteile (Fenster, Dämmung) sicher und kontrolliert die fachgerechte Inbetriebsetzung von Heizung oder Komfortlüftung. Bei komplexen Wohn- sowie Verwaltungsbauten oder Schulen übernimmt ein unabhängiger MQS Bauexperte Begleitung, Prüfung sowie fortlaufende Dokumentation des Bauprojekts.

Der Schaffhauser Architekt Peter Sandri vermittelte dem Publikum abschliessend einen Einblick in die Praxis und berichtete über die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt MQS Bau am Beispiel eines Einfamilienhauses in Rheinklingen (TG). Dabei stellte er unter anderem fest, dass die Qualitätskontrolle dank Checklisten und Prüfberichten dem Architekten oder Bauleiter Sicherheit gebe und dazu beitrage, Mängel und Fehler aufzudecken und zu vermeiden. Gleichzeitig hat die Bauherrschaft die Garantie, dass alles korrekt erstellt worden ist und profitiert von vollständigen Betriebs- und Wartungsanleitungen sowie Instruktionen der Gebäudetechnik.

(Die Referate des Energieapéros sind zu finden unter: www.energie-agenda.ch -> Veranstaltungsarchiv)